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Hiroshi Sugimoto

Kunsthalle NRW-K20
14. Juli 2007 - 6. Januar 2008

 

Hiroshi Sugimoto zeigt in der Kunsthalle K20 Fotografien, deren Magie und Ausdruckskraft aus der Symbiose von japanischer Ästhetik und westlichen Bildsichten der Moderne und Nach-Moderne erwächst.

Beeindruckend hinsichtlich Motiv, Größe und Qualität ist die Installation von dreizehn großformatigen Seascape-Aufnahmen auf einer monumentalen, leicht gekurvten weißen Wandscheibe im Erdgeschoß.

 


Hiroshi Sugimoto hat seine Entwicklungstechnik für das Großformat zu äußerster Perfektion getrieben.
Allen Arbeiten gemeinsam ist eine extreme Motivreduktion in Verbindung mit einer streng formalen Bildgestaltung.

Die ausgestellten, durchweg seriellen Arbeiten umfassen eine breit gefächerte Palette fotografischer Kategorien mit
Theaters und Drive-in Theaters, Wax Portraits, Pine Trees, Conceptual Forms, zwei Dioramen, Lightning Fields, Photogenic Drawing und Architectures.

"Colors of shadow" sticht für mich heraus. Eigens für diese Serie wurden architektonische Räume und Formen gestaltet, deren Raumecken, Winkel und Kanten Halbschatten und Halblichter erzeugen, die auf weißen und grauen Flächen zu strengen geometrischen Kompositionen verlaufen.
Die ursprüngliche Dreidimensionalität dieser artifiziellen Licht-Schattenskulpturen wird durch teilweise Überbelichtung und die Technik der fotografischen Abbildungen vollkommen zum Verschwinden gebracht. So entsteht eine neue, irritierende Ebene zweidimensionaler visueller Realität, die dem Betrachter jeden Hinweis auf ihre Entstehung vorenthält.

An dieser Bildfolge lassen sich der Glanz aber auch das Elend von serieller Fotografie studieren:
Je homogener, konsistenter und prägender eine Serie angelegt sind, desto schneller läuft sie sich mangels Variabilität und Vielfalt tot. Wenige Bilder genügen, um die Charakteristik einer Serie offen zu legen. Das Wissen, daß weitere Überraschungsmomente nicht zu erwarten sind, läßt Entdeckungs- und Betrachtungsfreude rasch erlahmen.

Aus diesem Eindruck resultiert vielleicht eine generelle Schwäche der ansonsten eindrucksvollen Ausstellung: Weil jede Kategorie jeweils nur durch eine Motivserie abgehandelt wird, ist der Betrachter schnell durch, zu schnell.


Ein weiterer Eindruck bleibt zurück:
Die einzige Emotionalität, die sich dem Betrachter der Bilder unmittelbar mitteilt, ähnelt derjenigen,
die Mathematiker beim Entdecken einer neuen Primzahl empfinden mögen. Im übrigen machen die Überdimensionierung der Bider, die teilweise extreme Abstraktion, die Isolation der Motive sowie Schwarz-weiß- Ästhetik frösteln.
In diesem Sinne läßt einen die Ausstellung trotz der bewunderswerten Perfektion ziemlich kalt.

Rainer Jonas

 

31.03.2008
 
   © 2008 Rainer Jonas