Hiroshi
Sugimoto zeigt in der Kunsthalle K20 Fotografien, deren Magie
und Ausdruckskraft aus der Symbiose von japanischer Ästhetik
und westlichen Bildsichten der Moderne und Nach-Moderne erwächst.
Beeindruckend
hinsichtlich Motiv, Größe und Qualität ist die
Installation von dreizehn großformatigen Seascape-Aufnahmen
auf einer monumentalen, leicht gekurvten weißen Wandscheibe
im Erdgeschoß.
Hiroshi
Sugimoto hat seine Entwicklungstechnik für das Großformat
zu äußerster Perfektion getrieben.
Allen Arbeiten gemeinsam ist eine extreme Motivreduktion in
Verbindung mit einer streng formalen Bildgestaltung.
Die
ausgestellten, durchweg seriellen Arbeiten umfassen eine breit
gefächerte Palette fotografischer Kategorien mit
Theaters und Drive-in Theaters, Wax Portraits, Pine Trees, Conceptual
Forms, zwei Dioramen, Lightning Fields, Photogenic Drawing und
Architectures.
"Colors
of shadow" sticht für mich heraus. Eigens für diese
Serie wurden architektonische Räume und Formen gestaltet,
deren Raumecken, Winkel und Kanten Halbschatten und Halblichter
erzeugen, die auf weißen und grauen Flächen zu strengen
geometrischen Kompositionen verlaufen.
Die ursprüngliche Dreidimensionalität dieser artifiziellen
Licht-Schattenskulpturen wird durch teilweise Überbelichtung
und die Technik der fotografischen Abbildungen vollkommen zum
Verschwinden gebracht. So entsteht eine neue, irritierende Ebene
zweidimensionaler visueller Realität, die dem Betrachter
jeden Hinweis auf ihre Entstehung vorenthält.
An
dieser Bildfolge lassen sich der Glanz aber auch das Elend von serieller
Fotografie studieren:
Je homogener, konsistenter und prägender eine Serie angelegt
sind, desto schneller läuft sie sich mangels Variabilität
und Vielfalt tot. Wenige Bilder genügen, um die Charakteristik
einer Serie offen zu legen. Das Wissen, daß weitere Überraschungsmomente
nicht zu erwarten sind, läßt Entdeckungs- und Betrachtungsfreude
rasch erlahmen.
Aus
diesem Eindruck resultiert vielleicht eine generelle Schwäche
der ansonsten eindrucksvollen Ausstellung: Weil jede Kategorie
jeweils nur durch eine Motivserie abgehandelt wird, ist der Betrachter
schnell durch, zu schnell.
Ein weiterer Eindruck bleibt zurück:
Die einzige Emotionalität, die sich dem Betrachter der Bilder
unmittelbar mitteilt, ähnelt derjenigen,
die Mathematiker beim Entdecken einer neuen Primzahl empfinden
mögen. Im übrigen machen die Überdimensionierung
der Bider, die teilweise extreme Abstraktion, die Isolation der
Motive sowie Schwarz-weiß- Ästhetik frösteln.
In diesem Sinne läßt einen die Ausstellung trotz der
bewunderswerten Perfektion ziemlich kalt.
Rainer
Jonas
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